Sommerwanderung in Bad Lippspringe

am 18.09.2010

 

Unsere diesjährige Sommerwanderung sollte als Fortsetzung unserer Reihe „Wanderungen in Ostwestfalen-Lippe“, mehr als Spaziergang, durch die Stadt Bad Lippspringe führen. So hatte unser Vorsitzender, Gastgeber und Wanderführer Ulrich Appelt es in seiner Einladung, der viele Mitwanderer folgten, geschrieben.

Bad Lippspringe ist wahrscheinlich jedem Mitglied unseres Verbandes bekannt, liegt die Kurstadt doch direkt an der Grenze zum Truppenübungsplatz Senne im Kreis Paderborn, an der Grenze zum Kreis Lippe. Wir sollten die Stadt nun etwas intensiver, von einer uns vielleicht noch unbekannten Seite, kennenlernen. Dieser Einladung kamen wir gern nach, konnten wir doch sicher sein, dass die 15.196 Einwohner der Stadt im Jahr 2009 allein 56.386 Kurgäste mit insgesamt 315.409 Übernachtungen freundlich empfangen und bewirtet hatten. Treffpunkt war der Parkplatz Ecke „Am Steintor/Im Schildern“, nahe der katholischen Kirche. Damit begann auch schon der Weg durch Stadt und Geschichte.

Bad Lippspringe, 780 erstmals urkundlich erwähnt, ist aufgrund der Zugehörigkeit zum ehemaligen Hochstift, dessen Domkapitel im Jahre 1312 an der Lippequelle eine Burg baute, mehrheitlich katholisch. Entsprechend gibt es drei katholische Kirchen im Stadtgebiet, von denen zwei an unserem Wanderweg lagen, die erste davon gleich am Start. Hier trafen wir uns alle an einem weitgehend trockenen, nur manchmal durch leichten Sprühregen begleiteten Tag. Unter Führung von Ulrich Appelt ging es zum ersten „Etappenziel“, der Liborius-Quelle, deren fluoridhaltiges Calcium-Sulfat-Hydrogenkarbonat-Wasser bereits Papst Pius X von einer schweren Stoffwechselerkrankung heilen sollte. Natürlich durften wir alle ausgiebig probieren.

Bereits wenige Meter weiter, hielten wir an der Arminiusquelle. Diese älteste Heilquelle wurde 1812 durch Zufall entdeckt. Der Name wurde zu Ehren Hermanns des Cheruskers gewählt, der den Römern in einer Schlacht eine entscheidende Niederlage zufügte. Gegenüber der Arminiusquelle, direkt an der Lippequelle, liegt die Ruine der ehemaligen Burg des Domkapitels. Sie ist das älteste Wahrzeichen der Stadt. Ihre ca. 4 Meter dicken Mauern konnten sie nicht davor bewahren, im 30-jährigen sowie im 7-jährigen Krieg stark beschädigt zu werden. Im 19. Jahrhundert schließlich wurde die Burg endgültig aufgegeben.

Im Quellteich der Lippe, am Fuß der Burg, ist das türkisgrüne Auge der Lippequelle gut zu erkennen. Dank der Niederschläge in der Umgebung verfügt sie über eine durchschnittliche Schüttung von 740 Litern pro Sekunde und ist damit eine der stärksten Quellen Deutschlands. Von der Quelle bis zu ihrer Mündung in den Rhein durchfließt die Lippe auf einer Länge von 237 Kilometern Nordrhein-Westfalen. Der Sage nach warf Gott Odin, der Mitleid mit den dürstenden Menschen in der trockenen Senne hatte, eines seiner Augen auf die Erde. Dort, wo das Auge die Erde berührte, schoss sofort eine Quelle aus der Erde, die Lippequelle. Sollte diese Sage der Wahrheit nahe kommen, so ist zumindest geklärt, warum diese Quelle eine der stärksten in Deutschland ist.

Odin, im Germanischen eigentlich Wodan genannt, der Hauptgott der nordischen Mythologie, trank vor dem Angriff der Riesen, der zum Untergang der alten Welt führen sollte, damit daraus die neue Welt erstehen konnte, aus der Quelle Mimirs, um Weisheit zu erlangen. Als Pfand für diesen Trunk musste er ein Auge lassen. Sollte Odin, dem zu Ehren die Mitte der Woche, der Mittwoch, benannt wurde (siehe hierzu die Übernahme der 7-Tage-Woche durch die Kontinentalgermanen), tatsächlich sein zweites Auge in den Lippspringer Staub geworfen haben, war er hierüber im Nachhinein wohl so betrübt, dass er noch heute in Wallhall sitzt und über sein Schicksal weint, was dem Paderborner Land einen reichen Wassersegen beschert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit nur wenigen Schritten gelangten wir von den Quellen zum Arminiuspark. Vorbei am wunderschönen Prinzenpalais, das im 19. Jahrhundert einige fürstliche Gäste beherbergte, ging es zur Sonne, dem Beginn des Planetenweges, dieser erstreckt sich, auch wenn wir ihm nicht auf dem ganzen Weg folgten, über 6 km durch Bad Lippspringe. Im Maßstab 1:1Milliarde angelegt, kann der Besucher die Größe unseres Sonnensystems erwandern. Beginnend bei der Sonne mit einem Durchmesser von knapp 1,40 m, folgen Merkur, Venus und die direkt am Parkausgang zu findende Erde. Weiter geht es zum Mars an der Marktstraße, zum Jupiter am Eingang zum Kaiser-Karls-Park zum Saturn an den Mersmann-Teichen und zum Uranus in der Nähe der Reithalle. Vom Neptun am Ufer des Dedingerheide-Sees aus gelangt der Wanderer schließlich zum Pluto in der Nähe der Jordanquelle und dann scheint sie wieder, heiß und groß, die Sonne.

Nach dem Passieren des Jupiter hatte Ulrich Appelt ein Einsehen. Die lange Wanderung durch das All, immerhin hatten wir schon 780 m hinter uns gelassen, belohnte er die Gruppe mit einer Pause im jüngsten Park seiner Heimatstadt. Der Kaiser-Karls-Park wurde ab 1951 als Ersatz für den Arminiuspark geschaffen, da letzterer von den Briten beschlagnahmt worden war. Besonders auffällig an diesem Park sind die üppigen und bunten Blumenarrangements in den Beeten und natürlich die große Wasserfontäne.

Vom Park ging es in den Kurwald. Schon nach wenigen Metern erreichten wir die Friedenskapelle. Mit ein wenig Abstand, um die Besinnung der Besucher nicht zu stören, erfuhren wir, dass dieses 1987 geweihte Kleinod die Reliquien des Schweizer Friedensheiligen Klaus von der Flüe und die des Adolph Kolping bewahrt.

Weiter führte uns Ulrich Appelt und unser Weg durch´s All vorbei an der Fischerhütte (nicht klein, zugig und kalt, sondern geräumig, gemütlich und mit allerlei Leckereien für die Gäste) und der Lönseiche hin zum Ehrenfriedhof.

Der Ehrenfriedhof ist eine von zwei Kriegsgräberstätten mit insgesamt 354 Toten in Bad Lippspringe. Hier ruhen 158 Soldaten des Ersten und 164 des Zweiten Weltkrieges. Es handelt sich überwiegend um Lungentuberkulose Erkrankte, aber auch um Opfer von Chlorgasangriffen und um 85 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene. Die letzte Beerdigung auf dem Ehrenfriedhof fand am 01. September 2000 statt. Der Pilot eines gegen amerikanische Maschinen kämpfenden deutschen Jagdflugzeuges konnte in den Kriegstagen nur teilweise geborgen werden, da sich sein Fluggerät 4 Meter tief in einen Acker gebohrt hatte. Erst im Jahr 2000 wurden die Überreste mit schwerem Gerät geborgen.

Nur kurz wurde auf dem Friedhof verweilt, schon ging es weiter. Vorbei am Sportplatz und am Freibad, in dem unser Vorsitzender jeden Morgen seine 1.000m schwimmt, ging es in den Jordanpark. Dieser um 1900 angelegte Park schließt nahezu nahtlos an den Arminiuspark an. Im Gegensatz zu den beiden anderen Parks, weist diesen ein geschlossener, waldartiger Charakter aus. Das Gute an ihm war für uns Astronauten, dass es von hier nur noch ein kurzer Weg zu dem griechischen Restaurant war, in dem wir diesen gelungenen Nachmittag mit leckerem Essen beschließen sollten.

Bericht erstellt von: Jürgen Wapelhorst

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